Wieso heisst die Armbrust eigentlich Armbrust?

Ihre Bezeichnung geht auf das lateinische Wort «Arcubalista» (Bogenschleuder) zurück, welches noch im 17. Jahrhundert als «Balester» verbreitet war. Für die deutsche Bezeichnung wurden die Wörter «Arm» und das mittelhochdeutsche Wort «Berust» resp. «Berost» (Ausrüstung/Bewaffnung) kombiniert, woraus sich das Wort «Armbrust» (regional auch Armborst, Armst, Arbrost) entwickelte. Sie hat mit der Brust als Körperteil also nichts zu tun.

VON DER WAFFE ZUM SPORTGERÄT

Die Armbrust hat Schlachten entschieden und Mythen kreiert. Und sie ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie sich technische Innovationen über Jahrtausende hinweg verändern, an Bedeutung gewinnen und ihre Verwendung neu definieren.

Die Geschichte der Armbrust beginnt im alten China. In den Provinzen Shandong und Hubei wurden in Gräbern aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. Überreste von Armbrüsten, Schlössern und Bolzen gefunden, und bereits vor 2’000 Jahren wurden im alten China Armbrustschlösser in Massenproduktion hergestellt. Diese frühen Armbrüste zeichneten sich durch eine für die damalige Zeit bemerkenswerte Präzision und Durchschlagskraft aus und verbreiteten sich rasch in verschiedenen Regionen Asiens.

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Der Weg nach Europa

Über Handelswege und militärische Kontakte gelangte die Armbrust 300 v. Chr. ins antike Griechenland und wurde in der Blütezeit der Feldzüge Alexander des Grossen als Infanteriewaffe «Gastraphetes» (dt. «Bauchschleuderer») und als Belagerungswaffe «Oxybeles» (dt. «mit spitzen Pfeilen schiessend») weiterentwickelt. Ab 200 v. Chr. wurden sie auf den Schlachtfeldern durch die wesentlich leichtere und stationäre römische «Ballista» ersetzt, die neben Pfeilen auch Tonkugeln und Speere abschiessen konnte.

Ab dem frühen Mittelalter gewann die Armbrust zunehmend an Bedeutung. Technisch wird sie als eine der ersten Mehrkomponentenwaffen Europas betrachtet. Sie vereint verschiedene Materialien und Mechaniken: einen robusten Schaft, einen gespannten Bogen (anfangs aus Holz, später aus Horn, Sehnen oder Stahl) sowie einen mechanischen Abzug.

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Diese Konstruktion machte sie nicht nur leistungsfähig, sondern auch vergleichsweise aufwendig in der Herstellung. Dennoch war sie im Gefecht äusserst effektiv, insbesondere gegen gepanzerte Gegner. Im Gegensatz dazu waren Schwerter teuer und vor allem für den Nahkampf geeignet, während Bögen zwar schneller schiessen konnten, aber empfindlicher waren. Ein beschädigter Bogen hingegen bedeutete oft das sofortige Ende seiner Einsatzfähigkeit.

Gefürchtet und geächtet

Besonders im Hochmittelalter entwickelte sie sich zu einer der zentralen Fernwaffen auf den Schlachtfeldern. Im Vergleich zum traditionellen Bogen bot die Armbrust entscheidende Vorteile: Sie erforderte deutlich weniger Übung im Umgang und konnte auch von weniger erfahrenen Kämpfern effektiv eingesetzt werden. Während ein Langbogenschütze jahrelanges Training benötigte, liess sich ein Armbrustschütze relativ schnell ausbilden – ein Umstand, der ihr den Ruf als «Waffe des einfachen Mannes» einbrachte.

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Die Armbrust prägte die Kriegsführung im europäischen Hochmittelalter. Im Vergleich zu Langbogen und Schwert war sie als Waffe günstiger in der Herstellung, defekte Teile wurden einfach ersetzt, und selbst unerfahrene Schützen konnten mit ihren Bolzen aus grosser Entfernung massive Rüstungen durchschlagen. Besonders bei Rittern war die Armbrust gefürchtet, weshalb sie 1139 von Papst Innozenz II. als «unritterliche Waffe» nicht gegen Christen eingesetzt werden durfte (daran gehalten hat sich aber kaum jemand).

Die Armbrust in der Schweiz

Die älteste Darstellung einer Armbrust auf dem Gebiet der heutigen Schweiz findet sich 1235 im Siegel des Luzerner Ratsherrn Johann von Hildisrieden. Im 14. und 15. Jahrhundert folgte ihre Verbreitung, als schweizerische Städte Armbrustvorräte anlegten oder ihre Bürger zum Besitz von Armbrüsten verpflichteten. In dieser Zeit organisierten die ersten Armbrustschützen-Einheiten Schützenfeste.

Die Gigantin

Der «Codex Atlanticus», eine Sammlung von Zeichnungen, Skizzen und Notizen von Leonardo da Vinci (1452–1519), beinhaltet die Konstruktionspläne einer Riesenarmbrust. Und tatsächlich: Ihre Ausmasse sind mit 24m Länge und 25m Breite gigantisch! Der 29 kg schwere Pfeil hätte – wäre die Da-Vinci-Armbrust tatsächlich gebaut worden – eine Reichweite von mindestens 100m gehabt.

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Mit dem Einzug des Schiesspulvers auf den Schlachtfeldern im 15. Jahrhundert kam die Armbrust bereits ein Jahrhundert später kaum noch zum Einsatz. Ab dem späten Mittelalter begann deshalb der Niedergang der Armbrust als Kriegswaffe. Gewehre und Musketen boten eine noch grössere Durchschlagskraft und wurden im Laufe der Zeit einfacher zu bedienen und herzustellen. Die militärische Bedeutung der Armbrust nahm dadurch stetig ab.

Vom Schlachtfeld zum Wettkampf

Parallel zu ihrem Verschwinden als Kriegswaffe entwickelte sich die Armbrust zunehmend zu einem Sport- und Präzisionsgerät. Bereits im Spätmittelalter entstanden in verschiedenen Regionen Europas Schützengesellschaften, die das Armbrustschiessen als Wettkampfdisziplin pflegten. Sehr frühe organisierte Zusammenschlüsse im deutschsprachigen Raum sind recht gut dokumentiert: In Städten wie Zürich, Basel oder Strassburg entstanden bereits im 13. und 14. Jahrhundert Armbrustschützengesellschaften. Die «Zürcher Armbrustschützen», eine historische Schützengilde mit Zunftcharakter, sind dabei seit dem 14. Jahrhundert schriftlich belegt und gelten somit als eine der ältesten kontinuierlich bestehenden Organisationen in der Schweiz.

Diese Gesellschaften waren nicht nur sportlich aktiv, sondern hatten auch eine militärische Funktion im Rahmen der städtischen Verteidigung. Der Übergang von militärischer Pflichtübung zu sportlichem Wettkampf war also fliessend. Schon im Spätmittelalter wurden als frühe Vorläufer des heutigen Wettkampfsports regelmässige Schützenfeste organisiert. Diese Tradition hat sich bis in die Gegenwart erhalten und ist insbesondere in der Schweiz tief verwurzelt. Hier verbindet der Armbrustsport historisches Erbe mit moderner Technik und sportlichem Anspruch.

Das Symbol Wilhelm Tell

Nicht zuletzt ist die Armbrust auch eng mit der Figur des Wilhelm Tell verbunden, deren Geschichte bis heute ein fester Bestandteil der Schweizer Kultur ist. Auch wenn Tell eine Sagengestalt ist, steht seine Erzählung sinnbildlich für die Bedeutung der Armbrust in der kollektiven Erinnerung einer wehrhaften Eidgenossenschaft, die mit einfachen Mitteln gegen fremde Einflüsse kämpft.

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Im 16. und 17. Jahrhundert erlebte die Armbrust hauptsächlich als Jagd- und Sportwaffe ein Comeback, bevor sie erneut an Bedeutung verlor. Erst im 19. Jahrhundert wurde das Armbrustschiessen als Volkssport eingeführt; 1898 wurde schliesslich der Eidgenössische Armbrustschützenverband EASV gegründet.

Heute ist die Armbrust ein faszinierendes Sportgerät, das mit Wilhelm Tell nichts mehr zu tun hat, sondern technisch hochstehend Präzision und Konzentration vereint. Ihre lange Entwicklungsgeschichte – von der antiken Kriegswaffe bis zum modernen Sportinstrument – macht sie zu einem einzigartigen Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Zurück ins Jahr 1898

Am 17. Juli 1898 legten 14 Sektionen den Grundstein für den Eidgenössischen Armbrustschützenverband. Willy Zollinger startet seine Chronik für die Jubiläumsausgabe «100 Jahre EASV» im Restaurant Station in Zürich Wiedikon.

Nicht nur in der Schweiz

Weltweit koordiniert wird der Wettkampfsport u.a. durch die Internationale Armbrustschützen Union. Sie betreut Weltmeisterschaften und Regelwerke. Zusätzliche spannende Informationen zur Geschichte der Armbrust findest du hier.