17./18. Juli 2026
Im Rahmen des Eidgenössischen Armbrustschützenfestes (EASF) wurden am Freitag, 17. und Samstag, 18. Juli in Weesen die neuen Schweizermeisterinnen und -meister mit der Armbrust auf die 30m-Distanz erkoren. Dabei konnte sich der Schwarzenburger Simon Beyeler bei der Elite durchsetzen und den Wettkampf der 2-Stellungs-Meisterschaft, die in Armbrustkreisen als Königsdisziplin bezeichnet wird, in einem spannenden Schlussfinal für sich entscheiden.
Das EASF in Weesen präsentierte sich auch an den Schweizer Meisterschaften als hervorragender Gastgeber. Während den letzten neun Tagen wurden über die Fest- und die Matchmeisterschaft die Vorausscheidungen für die Teilnahme an den Final-Qualifikationen geschossen. In den Kategorien «Elite» und «Junioren U23» standen je drei Titelwettkämpfe auf dem Programm:
- 2-Stellungsmeisterschaft
- Stehend-Meisterschaft
- Kniend-Meisterschaft
Simon Beyeler gewinnt Königsdisziplin
Das Schiesszelt in Weesen – die grösste Armbrust-Schiesssportanlage der Welt – war zum Bersten voll, als sich am Samstagnachmittag die besten acht Armbrustschützinnen und -schützen, die sich zuvor über 30 Schüsse «Stehend» und 30 Schüsse «Kniend» für den Schluss-Final qualifizieren mussten, für den alles entscheidenden und in der Stehend-Stellung zu absolvierenden kommandierten Final der 2-Stellungs-Meisterschaft, der eigentlichen Königsdisziplin im Armbrustschiesssport, bereit machten.
Den Sportlerinnen und Sportlern stand keine leichte Aufgabe bevor. Bereits im 60-schüssigen Qualifikationsprogramm war starker Wind aufgekommen und der eine oder andere Pfeil traf die Zielscheibe dann auch nicht dort, wo er sie hätte treffen müssen. Das plötzlich auftretende Gewitter, das sich mit Donner und starken Regenschauern bemerkbar machte und während dem Finalwettkampf über den Schiessplatz fegte, machte die Sache für die acht Athletinnen und Athleten auch nicht einfacher.
Sie hatten alle zu kämpfen – aber am besten kam Simon Beyeler (ASG Schwarzenburg) mit den misslichen Bedingungen zurecht. Beyeler, der früher zum Nationalkader gehörte und in seiner Karriere bereits mehrere nationale und internationale Titelwettkämpfe für sich hatte entscheiden können, stand am EASF 2016 in Zürich letztmals zuoberst auf dem Schweizermeister-Podest der 2-Stellungs-Meisterschaft. Und genau zehn Jahre später wiederholt er nun dieses Glanzstück und lässt sich zum neuen Schweizermeister in der Königsdisziplin ausrufen.
Die Konkurrenz wollte Beyeler das Feld aber nicht kampflos überlassen. Renato Harlacher (ASV Rümlang), der sich in den ersten zehn Schüssen zwei Achterwertungen notieren lassen musste, lag nach zehn Schüssen mit einem Rückstand von vier Punkten auf den führenden Beyeler direkt hinter dessen Schwester Irène Beyeler (ASG Schwarzenburg) auf dem dritten Zwischenrang – konnte aber in den weiteren Finalschüssen wieder Boden gutmachen. Harlacher, der ebenfalls über nationale und internationale Wettkampferfahrung verfügt und sich vor einem Jahr als Schweizermeister «Stehend» feiern lassen durfte, gelang es, sich auf den zweiten Platz vorzuarbeiten und mit der Verdrängung von Irène Beyeler auf den Bronze-Platz einen Beyeler-Doppelsieg zu verhindern.
Bei den Junioren/U23 gelang es den Brüdern Yoric und Lorin Pisà (beide ASV Rümlang), ihren Doppelsieg von Vorjahr in derselben Rangfolge zu wiederholen. Das Junioren-Podest wurde komplettiert von Katja Haller (ASV Horgen).
Stehend-Meisterschaft
Für die Titelvergabe in der Stehend-Meisterschaft wurde der 30-schüssige Stehend-Teil der Final-Qualifikation der 2-Stellungsmeisterschaft gewertet. Die Athletinnen und Athleten hatten sichtlich Mühe, die Pfeile bei dem bereits erwähnten Wind ins Scheibenzentrum schnellen zu lassen.
Joëlle Baumgartner (ASV Rümlang) liess sich jedoch durch den immer wieder wechselnden Wind nicht beindrucken, erzielte 286 Punkte (96/96/94) und legte die Messlatte damit sehr hoch an. «Ich war selbst überrascht ob diesem guten Resultat.» meinte Baumgartner nach dem Wettkampf lachend und ergänzt: «Umso mehr freue ich mich über das erzielte Resultat und die Goldmedaille.»
Es ist ihre erste Goldmedaille an Schweizermeisterschaften seit sie 2023 die 2-Stellungsmeisterschaft gewinnen konnte. In den letzten beiden Jahren war Baumgartner immer wieder auf dem Podest anzutreffen – aber für Gold hat es erst in diesem Jahr wieder gereicht.
Baumgartners Abstand zum zweitplatzierten Simon Beyeler war mit fünf Punkten überraschend gross, was ihre Leistung nochmals hervorzuheben vermochte. «Ich bin nicht optimal in den Stehend-Match gestartet.» erklärte Beyeler nach dem Wettkampf und erklärt: «Dies hat mich dann aber auch dazu veranlasst, im Final der 2-Stellungsmeisterschaft noch mehr Sorge zu meinen Schüssen zu tragen.»
Mit lediglich zwei Punkten Rückstand auf Beyeler erfüllte sich Marco Vetsch (AS Höngg) mit dem Sprung auf das Podest und dem Gewinn der Bronze-Medaille einen langjährigen Traum.
«Ich habe schon an vielen Schweizermeisterschaften und auch an internationalen Turnieren teilgenommen. Aber eine Medaille an einer Schweizermeisterschaft blieb mir bisher versagt.» war dem strahlenden Vetsch zu entlocken und er bringt es auf den Punkt: «Und diese Medaille an einem Eidgenössischen Armbrustschützenfest zu gewinnen, lässt meine Bronzemedaille leicht golden glänzen.»
Bei den U23-Junioren zeigt sich nach dem Stehend-Programm bereits das Bild, wie es sich dann auch nach dem Abschluss der 2-Stellungsmeisterschaft zeigt: Gold für Yoric Pisà, Silber für Lorin Pisà und Bronze für Katja Haller.
Kniend-Meisterschaft
Bereits am Freitag, 17. Juli hatten die Sportlerinnen und Sportler zum Finalwettkampf der Kniend-Meisterschaft anzutreten – und mit dem Resultat bei der Elite hatte wohl keiner gerechnet.
Das gab es noch nie! Michael Götti (ASV Altstätten), der am EASF als Personalchef in die Organisation eingebunden ist und während den letzten acht Tagen mehr organisatorische Aufgaben zu bewältigen hatte und die Konzentration auf den Schiesssport eher zurückstellen musste, brachte das Kunststück fertig, die gesamte Konkurrenz in Schach zu halten und den Finalwettkampf vor Joëlle Baumgartner (ASV Rümlang) und dem Titelverteidiger Joel Brüschweiler (ASV Bürglen) für sich zu entscheiden.
Auf Rang 33 hatte er sich für die Final-Qualifikation qualifiziert, schloss diese auf dem zweiten Platz ab und stand so im Schlussfinal der besten Acht. «Ich konnte unbeschwert an den Schlussfinal antreten. Im schlimmsten Fall wäre ich auf dem achten Platz gelandet – was für mich bereits ein schöner Erfolg gewesen wäre.» kommentierte Götti, der bisher den Sprung auf ein Schweizermeister-Podest noch nie geschafft hatte, lachend seine Goldmedaille und ergänzt: «Der Wind in der Final-Qualifikation und auch im kommandierten Schluss-Final war brutal. Also habe ich mich darauf konzentriert, jeden Schuss sauber abzugeben – und es hat funktioniert.»
Bei den Junioren U23 stand mit Lorin Pisà ein Jungtalent zuoberst auf dem Podest, das im letzten Jahr zwar Podest-Erfahrungen an den Schweizermeisterschaften sammeln durfte – aber in Weesen mit dem Gewinn der Goldmedaille seine erste Kniend-Medaille in Empfang nehmen durfte. Auf den Rängen zwei und drei folgten Yoric Pisà (ASV Rümlang) und Sofia Ryser (ASV Rheineck).